Schicksale

33 Millimeter Mensch

SANDRA SCHULZ Ul­tra­schall­bild von Toch­ter Mar­ja, 14. Schwan­ger­schafts­wo­che: "Angst, dass ich mein Kind nicht ge­nug lie­ben kann".

Diagnose Down-Syndrom. Soll mein ungeborenes Kind leben oder sterben? Das Protokoll einer Entscheidung.

LESEZEIT 16min

"Ich habe lei­der kein kom­plett un­auf­fäl­li­ges Er­geb­nis für Sie", sagt die Ärz­tin. Ich bin in der 13. Schwan­ger­schafts­wo­che, ste­he im Tür­rah­men zwi­schen Flur und Wohn­zim­mer, das Te­le­fon in der Hand. Vier­mal hat­te die jun­ge Frau, eine Fach­ärz­tin für Hu­man­ge­ne­tik, an die­sem Mitt­woch­mor­gen im No­vem­ber bei mir an­ge­ru­fen. Ich hat­te das Klin­geln des Han­dys nicht ge­hört, ich rech­ne­te noch nicht mit dem Re­sul­tat des Blut­tests.

"Was heißt das, kein kom­plett un­auf­fäl­li­ges Er­geb­nis?", fra­ge ich sie.
Sie schweigt.
"Bit­te sa­gen Sie es schnell."
"Tri­so­mie 21."
"Tri­so­mie 21, das ist Down-Syn­drom, nicht wahr?"

Ich weiß das ei­gent­lich, aber ich muss es hö­ren. Ich muss es le­sen. Ich bit­te die Frau, mir das Er­geb­nis per Mail zu schi­cken. Ein­log­gen, an­kli­cken, An­hang öff­nen. "Er­geb­nis: au­ßer­halb des nor­ma­len Be­reichs".

Ich schaue aus dem Fens­ter, sehe den Weg in die Wein­ber­ge, eine Ka­pel­le. Ich bin zu Be­such im Haus

Sie haben bereits einen Zugang?
Einloggen