IMAGO, SPIEGEL DAILY

Die Medienkolumne

Das Original

Warum der "Stern" sein berühmtes Interview mit Romy Schneider veröffentlichen sollte. 

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Jedem bleibt es überlassen, wie er mit seiner Vergangenheit umgeht. Das gilt auch für den "Stern", der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag begehen wird.

Wunderlich verhält sich der "Stern" aber schon, indem er darauf verzichtet, jenes Interview noch einmal zu publizieren, das derzeit in aller Munde ist: das legendäre letzte große Gespräch, das der damalige Unterhaltungschef und spätere Chefredakteur des Magazins, Michael Jürgs, 1981 mit Romy Schneider geführt hat. Erschienen ist es im "Stern" vom 23. April jenes Jahres.

Würde man es nicht gerade jetzt gerne (wieder) lesen, da das zehnfach für den Deutschen Filmpreis nominierte Schwarz-Weiß-Werk "3 Tage in Quiberon" im Kino läuft, das die Geschichte der Entstehung dieses Interviews erzählt? Wer, wenn nicht der "Stern", sollte das Original veröffentlichen – sei es als Faksimile, sei es online oder meinetwegen auch im gerade erschienenen Jubiläumsheft?

An rechtlichen Risiken liegt es nicht, dass er es nicht tut. Das versichert mir auf Anfrage eine Sprecherin von Gruner + Jahr. Sie verweist auf zwei große Beiträge, die anlässlich des Films in den vergangenen Wochen erschienen sind. Auch auf jenen, in dem sich die Autorin darüber beömmelt, 37 Jahre nach dem Interview im "Stern" mit der Schauspielerin Marie Bäumer und der Regisseurin Emily Atef ein "Stern"-Interview über die Verfilmung des "Stern"-Interviews geführt zu haben.

Den Namen Michael Jürgs erwähnt die Autorin nicht. Womöglich liegen also andere Gründe vor, weshalb das Magazin das Original nicht dokumentiert. Welche das sind, sei dahingestellt. Mir geht es um etwas anderes.

Fiktion und Realität

Mehrfach habe ich in den zahlreich erschienenen Rezensionen gelesen, wie zynisch, blutsaugend, gar übergriffig Michael Jürgs mit Romy Schneider umgegangen sei. Journalisten beriefen sich dabei auf die von Robert Gwisdek gespielte Rolle und begingen damit den Fehler, den jeder Deutschlehrer seinen Schülern auszutreiben versucht: eine Figur mit der realen Person zu verwechseln.

Noch etwas machte mich stutzig: Vielfach kritisierten die Rezensenten die sehr persönlichen, sehr direkten und weitgehenden Fragen, die Romy Schneider gestellt bekam. Als wäre es nicht Aufgabe von Journalisten, in einem Interview so viel zu erfahren wie nur möglich. Zumal Romy Schneider, wie das auch der Film korrekt wiedergibt, das Interview gegenlesen konnte und strich, was sie nicht veröffentlicht sehen wollte. Nachdem sie es autorisiert hatte, schrieb sie mit der Hand eine Bemerkung darunter. Auch sie erschien damals im "Stern", auch das ist im Folgenden dokumentiert. Was fehlt, sind einzig die Fotos von Robert Lebeck.

Möge sich also jeder seine eigene Meinung bilden über dieses nun Film gewordene letzte große Interview, das Michael Jürgs 1981 für den "Stern" mit Romy Schneider geführt hat: