Mittwoch, 15. November 2017

KURZMELDUNGEN

Großbritannien: May wirft Russland Wahleinmischung vor

Die britische Premierministerin Theresa May hat schwere Vorwürfe gegen die russische Regierung erhoben. Der Kreml verbreite falsche Nachrichten, um im Westen Zwietracht zu säen, sagte sie. Russland habe wiederholt den Luftraum mehrerer europäischer Länder verletzt und Kampagnen zur Cyberspionage aufgesetzt. So habe sich Moskau auch in Wahlen eingemischt und ausländische Behörden gehackt, darunter das dänische Verteidigungsministerium und den deutschen Bundestag. Gleichzeitig betonte May: "Wir wissen, was Sie tun, und Sie werden damit nicht durchkommen." (rem/vks)

US-Präsidentschaftswahl: WikiLeaks suchte gezielt Kontakt zu Trump junior

In der Russlandaffäre um US-Präsident Donald Trump ist bekannt geworden, dass dessen ältester Sohn während des Wahlkampfs Kontakt mit der Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte. Donald Trump junior veröffentlichte in der Nacht zu Dienstag mehrere Nachrichten, die eine Kommunikation zwischen ihm und dem Twitterkonto von WikiLeaks zeigen. Zuvor hatte das Magazin "The Atlantic" ausführlich über den Austausch berichtet. Aus dem von Trump junior veröffentlichten "kompletten Schriftverkehr" geht hervor, dass er mehrmals Anfragen von WikiLeaks bekam. Er selbst antwortete demnach dreimal. 

WikiLeaks hatte während des Präsidentschaftswahlkampfs gehackte E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton veröffentlicht und der Kandidatin damit extrem geschadet. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hackerangriffen zu stehen. Für Trump junior ist der Fall heikel, weil er ohnehin im Fokus der Russlandaffäre steht. Im Juli hatte er einräumen müssen, sich während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben. Aus E-Mails geht hervor, dass er der Begegnung zugestimmt hatte, weil ihm kompromittierendes Material über Clinton versprochen worden war. (aar/dpa)

Frankreich: "En Marche"-Mitglieder kündigen Massenaustritt an

100 Mitglieder der Partei La République en Marche! (LREM) des französischen Präsidenten Emmanuel Macron haben ihren Austritt angekündigt. In einem am Dienstag vom Rundfunksender Franceinfo veröffentlichten Brief beklagen sie autoritäre Strukturen, die an das Ancien Régime der absolutistischen Herrscher Frankreichs erinnerten. Der Protest kommt kurz vor dem ersten Parteitag von LREM am Samstag. In dem Brief der "100 Demokraten" heißt es, Macrons Bewegung habe seit seinem Amtsantritt im Mai ihre Prinzipien verraten. Statt Basisdemokratie habe sich eine "Herrschaft der Eliten" durchgesetzt. In dem Brief ist von "Arroganz", "Drohungen" und "Einschüchterungsversuchen" gegenüber engagierten Mitgliedern die Rede. (rem/cht)

Schätzung: Zahl der Wohnungslosen steigt dramatisch

Die Zahl der Menschen ohne Wohnung in Deutschland ist laut einer aktuellen Schätzung deutlich gestiegen. Im Jahr 2016 gab es geschätzt rund 422.000 Wohnungslose, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) mit. Im Vorjahr seien es 367.000, im Jahr 2014 rund 335.000 gewesen. Hinzu kamen 2016 demnach etwa 436.000 anerkannte Flüchtlinge, die ohne eigene Bleibe in Gemeinschaftsunterkünften lebten. Zusammengerechnet kommt die BAGW für das Vorjahr gerundet auf 860.000 Menschen ohne Wohnung. Im Vergleich zu 2014 sei dies ein Anstieg um rund 150 Prozent, sagte Geschäftsführer Thomas Specht. Ohne ein Umsteuern könne die Zahl der Wohnungslosen bis 2018 auf 1,2 Millionen wachsen, warnte er. Die Ursachen für die negative Entwicklung sieht Specht nicht nur im starken Anstieg der Mieten. Seit 1990 sei der Bestand an Sozialwohnungen um rund 60 Prozent auf 1,2 Millionen gesunken. Zusätzlich hätten Bund, Länder und Kommunen eigene Wohnungsbestände an private Investoren verkauft. "Damit haben sie Reserven bezahlbaren Wohnraums aus der Hand gegeben." Die Zuwanderung habe die Gesamtsituation verschärft, sagte Specht, sei aber keinesfalls alleinige Ursache der Krise. (mxw/dpa)

Kreislaufstillstand: Frauen werden seltener wiederbelebt

Frauen, die in der Öffentlichkeit einen Kreislaufstillstand erleiden, bekommen die nötige Hilfe seltener als Männern. Das ergab eine Studie der amerikanischen Herzgesellschaft, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Während 45 Prozent der Männer eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erhielten, sind es bei den Frauen nur 39 Prozent. Die Überlebenschancen der Männer sind damit um 23 Prozent höher. Dieser Geschlechterunterschied tritt nur in öffentlichen Situationen auf. Studienautorin Audrey Blewer vermutet, dass manche Menschen unsicher sind, ob sie Frauen in der Öffentlichkeit an der Brust berühren dürfen, was bei einer Herzdruckmassage nötig ist. (rem)

USA: Erste digitale Pille zugelassen

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals eine Digitalpille zugelassen. Das berichtete die "New York Times" am Dienstag. Die Pille mit dem Namen "Abilify MyCite" ist ein mit einem Sensor ausgestattetes Medikament, das es Ärzten ermöglichen soll festzustellen, ob und wann ihre Patienten verschriebene Medikamente auch tatsächlich einnehmen. Wer die Digitalpille schluckt, könne dem Arzt und vier weiteren Personen erlauben, entsprechende Daten abzurufen. Über eine Smartphone-App soll es möglich sein, die einmal gewährte Erlaubnis jederzeit wieder zurückzuziehen. Der Sensor der Pille, der Kupfer, Magnesium und Silikon enthält, erzeugt elektrische Signale, sobald er mit Magenflüssigkeit in Berührung kommt. Sinn des Projekts: Ärzte können so den korrekten Ablauf der Therapie überprüfen und unnötige andere Maßnahmen vermeiden. Weltweit wird ein Großteil der verschriebenen Medikament gar nicht genommen und irgendwann weggeworfen. (mst)

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